Pflanzenbau Regional für Nordwestmecklenburg
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Neues zum Fungizideinsatz im Weizen im Frühjahr 2004

In den letzten 2 Jahren wurde, zunächst in Irland und Großbritannien und vor einem Jahr auch in Deutschland - eine zunehmende Resistenz aller Strobilurine gegen Septoria tritici (Septoria Blattdürre) festgestellt. Diese Resistenz beruht genau wie die Mehltauresistenz der Strobis auf einer Mutation der Schaderreger. Die Natur hat sehr schnell auf die mehrjährige Anwendung von Strobilurinen reagiert und durch Mutation Pilzpopulationen hervorgebracht, die gegenüber Strobis völlig unempfindlich sind und sich fröhlich weiter vermehren. Während empfindliche Populationen bei Strobi-Anwendungen kaputtgehen, selektieren sich die "Mutanten" heraus und können sich viel stärker vermehren als die herkömmlichen Erreger. Dadurch steigt der Resistenzgrad, und innerhalb kurzer Zeit sinkt die Wirkung der Strobis gegen Septoria tritici fast auf Null, so wie es beim Mehltau in unserem Gebiet schon seit einigen Jahren ist.

Da Septoria tritici in unserer Region eine große Bedeutung im Weizen hat und hier 2003 schon Resistenzen von bis zu 60 % gefunden wurden, muss der Fungizideinsatz 2004 aus einem neuen Blickwinkel betrachtet werden.

 

Was erwartet uns 2004?

Eines ist klar: Auf die Strobis allein können wir bei den beiden wichtigen Weizenkrankheiten Septoria tritici und Mehltau nicht mehr setzen. Aber da sie gegenwärtig noch eine sehr gute Wirkung gegen andere wichtige Schaderreger wie DTR, Roste und Septoria nodorum haben und durch ihre physiologische Wirkung (Greening-Effekt) auch zur Ertragssteigerung beitragen, werden sie in den Fungizidstrategien auch weiterhin eine, wenn auch schwächere Rolle, spielen.
Eine gute Wirkung gegen Septoria tritici zeigen nach wie vor die Azole (z.B. Opus Top, Folicur, oder 2004 neu InputSet). Jedoch sind auch hier bereits Resistenzen bekannt, jedoch lange nicht in dem Ausmaß wie bei den Strobilurinen. Diese Resistenzen bei den Azolen werden nicht durch Mutationen im Erbgut der Schaderreger hervorgerufen, sondern dadurch, dass sich die Schaderreger anpassen und die Wirkstoffe schneller abbauen. D.h., die Azole wirken nach wie vor gut gegen Septoria tritici und Mehltau, allerdings nicht mehr ganz so spitzenmäßig wie in den Anfangsjahren.

Mit Bekanntwerden der Septoria-Problematik hat die Pflanzenschutzindustrie sofort reagiert und stellt der Landwirtschaft für das Jahr 2004 verschiedene Alternativen zur Verfügung.

1. Neue Fungizide:
Neu zugelassen werden soll in diesem Jahr das Mittel Proline (Wirkstoff Prothioconazole - ein neues Azol) in allen Getreidearten und vor allem im Raps (gegen Sclerotinia, Phoma und Rapsschwärze). Speziell im Getreide soll in diesem Jahr das InputSet (eine Kombination aus dem Wirkstoff Prothioconazole und dem Mehltau-Wirkstoff Spiroxamine) zum Einsatz gelangen. InputSet zeichnet sich durch eine außerordentlich große Breitenwirkung gegen alle wichtigen Krankheiten (Halmbruch, Mehltau, DTR, Septoria tritici, Septoria nodorum, Roste, Rhynchosporium, und auch eine bessere Teilwirkung gegen Fusarien) aus. Input (das Fertigprodukt ab 2005) soll in allen Getreidearten zugelassen werden.

2. Neue Packs:
Das Jahr 2004 wird uns auf dem Fungizidsektor jede Menge neuer Packs bescheren:

Name des Packs Zusammensetzung: volle Aufwandmenge für 1 ha Abpackung
InputSet (Zulassung wird erwartet) 0,8 l/ha Proline + 0,8 l/ha Impulse
(Wirkst.Prothioconazole + Spiroxamine)
?
Opera Star Pack 0,75 l/ ha Opera + 0,5 l/ha Opus 3 l Opera + 2 l Opus bzw.
6 l Opera + 4 l Opus
Amistar BigSet 0,5 l/ha Amistar + 0,5 l/ha Tilt 250 EC 8*20 l Amistar +
8*20 l Tilt
Ähren BigSet 0,5 l/ha Amistar + 0,5 l/ha Taspa 8*20 l Amistar +
8*20 l Taspa
Amistar Ähren Pack 0,5 l/ha Amistar + 0,5 l/ha Taspa 2*5 l Amistar +
2*5 l Taspa
Taspa Bravo Pack 0,5 l/ha Taspa + 1,0 l/ha Bravo 1*5 l Taspa +
2 *5 l Bravo
Acanto Duo Pack 0,6 l/ha Acanto + 0,6 l/ha Agent 5 l Acanto +
5 l Agent
Acanto Unix Pack 0,8 l/ha Acanto + 0,8 kg/ha Unix 5 l Acanto +
5 kg Unix

Die Entscheidung für oder gegen ein Pack wird sich natürlich in erster Linie nach dem jeweiligen Einsatzzweck und dem Preis-Leistungsverhältnis richten. Hier steht dem Landwirt viel Rechenarbeit bevor. Im allgemeinen werden die Mittel in den Packs immer etwas günstiger angeboten, als wenn man sie einzeln kauft. Allerdings gilt es dann auch zu überlegen, ob ich beide Mittel gleichermaßen effektiv einsetzen kann, oder ob ein Partner möglicherweise überflüssig ist (müsste man beispielsweise beim Amistar BigSet für das Tilt in unserem intensiven Weizenanbaugebiet überlegen).

Opera Star Pack und InputSet (falls rechtzeitig zugelassen) bieten durch die hohen Gehalte an Azolen eine sichere Alternative gegen Septoria tritici mit sehr guter Breitenwirkung gegen die meisten wichtigen Pilzkrankheiten im Weizen (Mehltau, DTR, Roste, Septoria nodorum). Bei InputSet kommt zusätzlich noch die gute Halmbruchwirkung hinzu.
Ähren BigSet und Amistar Ähren Pack bieten durch das preisgünstige Taspa (Azol) mit Amistar (Strobi) eine gute Möglichkeit für eine wirksame und preisgünstige Ährenbehandlung im Weizen.
Das Taspa Bravo Pack lässt sich auch getrennt verarbeiten - Taspa für die Ährenbehandlung (ist erst ab EC 51 zugelassen) und Bravo schon bei früheren Fungizideinsätzen als zusätzlicher Schutz gegen Septoria tritici.

Die konkrete Fungizidstrategie wird ohnehin durch das Schaderregerauftreten im Frühjahr bestimmt. Doch generell sollte man bei allen Fungizideinsätzen besonders im Weizen folgendes beachten:
---> kein Soloeinsatz von Strobilurinen!
---> keine Miniaufwandmengen an Fungiziden spritzen --> erhöhte Resistenzgefahr!
---> ausreichende Zugabe von Azolen
---> Spritztermine möglichst dicht am Befallsereignis wählen
---> Sortenresistenz berücksichtigen, auch bei Anbauplanung fürs kommende Jahr!

 

 


 

 

 

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© Astrid Oldenburg 2000 - eMail: astro-@t-online.de - http://www.pflanzenbauberatung.de - Last update: 29. 01. 2004