Effektiver Gülleeinsatz im Ackerbau
Gülle ist ein wertvoller Mehrnährstoffdünger,
der bei ordnungsgemäßer Anwendung Mineraldünger
ersetzt und Düngerkosten spart!
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Mittlere Nährstoffgehalte
bei verschiedenen Güllen in kg/m³ *
|
|
Gülleart
|
TS %
|
N ges.
|
NH4-N
|
P2O5
|
K2O
|
MgO
|
CaO
|
| Milchvieh |
7,5
|
4,0
|
2,0
|
1,5
|
6,0
|
0,8
|
2,0
|
| Mastbullen |
7,5
|
4,5
|
2,3
|
1,5
|
3,5
|
0,8
|
1,0
|
| Schweine |
7,5
|
6,0
|
4,2
|
3,0
|
3,0
|
1,0
|
3,0
|
| Geflügel |
7,5
|
4,9
|
3,5
|
3,8
|
2,3
|
0,8
|
8,3
|
* Der Nährstoffgehalt
der Gülle kann je nach Tierart und TS-Gehalt erheblich
schwanken. Für eine exakte Bemessung der Düngergaben
ist daher eine Nährstoffuntersuchung unerlässlich.
1. Hinweise zur Gülledüngung:
2. Wirksamkeit der Gülle-Nährstoffe
2.1 Wirksamkeit des Güllestickstoffs
Je nach Tierart liegen 50 bis 70 % des Gesamtstickstoffs
in der Gülle als Ammoniumstickstoff vor. Der
Ammoniumstickstoff wird entweder direkt von der Pflanze
aufgenommen oder (in Abhängigkeit von Bodentemperatur
und -feuchtigkeit) durch Bodenmikroorganismen innerhalb
von 2 - 3 Wochen in Nitrat (NO3)
umgewandelt. Das Nitrat liegt damit in der gleichen N-Form
vor wie die meisten N-Mineraldünger und kann ebenfalls
direkt von den Pflanzen aufgenommen werden. Bei geringer
oder fehlender Aufnahme durch die Pflanzen besteht die Gefahr
der Auswaschung. Außerdem kann der Nitratstickstoff
unter Luftabschluss von Mikroorganismen in gasförmige
N-Verbindungen umgewandelt werden, die dann aus dem Boden
entweichen (Denitrifikation). Da der Ammonium-Stickstoff
leicht flüchtig ist, können bei der Ausbringung
ebenfalls Verluste entstehen.
Organisch gebundener Güllestickstoff
besteht zum größten Teil aus schwer abbaubaren
chemischen Verbindungen und unterliegt einer jährlichen
Mineralisationsrate von 1 - 3 %. Deshalb kann dieser N-Anteil
für die kurzfristige Nährstoffwirkung kaum berücksichtigt
werden. Über längere Zeit wirkt sich diese Fraktion
des Güllestickstoffs positiv auf die Bodenfruchtbarkeit
aus und kann langfristig bei intensiver Gülledüngung
zu einer N-Anreicherung im Ackerboden führen.
Die Ausnutzung des Güllestickstoffs
im Anwendungsjahr schwankt zwischen 10 und 60 % des Gesamt-Gülle-N.
Mittel- bis langfristig betrachtet kann bei guter Produktionstechnik
mit einer N-Ausnutzung von 75 % des Gesamt-N gerechnet werden.
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Ausnutzung des Stickstoffanteils
(% aus Gesamt-N) im Anwendungsjahr in Abhängigkeit
von Ausbringungszeit und Fruchtart bei mittleren bis
guten Böden.
| Monat |
Raps |
Winter-
getreide |
Sommer-
getreide
|
Mais
Rüben
Kartoffeln |
Weidel-
gras |
Zwischen-früchte |
| Juli |
30 % |
10 % |
10 % |
10 % |
50 % |
50 % |
| Aug. |
30 % |
10 % |
10 % |
10 % |
40 % |
50 % |
| Sept. |
-- |
20 % |
20 % |
20 % |
30 % |
40 % |
| Okt. |
-- |
20 % |
20 % |
20 % |
-- |
-- |
| Nov. |
-- |
(20 %) |
(30 %) |
(20 %) |
-- |
-- |
| Dez. |
-- |
(30 %) |
(30 %) |
(30 %) |
-- |
-- |
| Jan. |
-- |
(30 %) |
(40 %) |
(30 %) |
-- |
-- |
| Febr. |
-- |
40 % |
50 % |
40 % |
-- |
-- |
| März |
50 % |
50 % |
50 % |
50 % |
40 % |
-- |
| April |
50 % |
50 % |
50 % |
60 % |
60 % |
-- |
| Mai |
-- |
50 % |
50 % |
60 % |
60 % |
-- |
| Juli |
-- |
-- |
-- |
-- |
50 % |
50 % |
( ) = Ausbringung nicht empfehlenswert
bzw. durch Düngeverordnung verboten
[Abgewandelt nach AID 1149, 1991]
|
2.2. Wirksamkeit des Güllekaliums
Güllekalium ist zu 80 bis 90 % wasserlöslich.
Es erreicht damit in etwa die gleiche Pflanzenverfügbarkeit
wie mineralischer Handelsdüngerkali.
Bei hohen Niederschlägen muss auf leichten
Böden bei Ausbringung im Sommer und Herbst wie auch bei
mineralischem Kalidünger mit Auswaschungsverlusten gerechnet
werden.
2.3. Wirksamkeit des Güllephosphats
In Rinder- und Schweinegülle liegen
etwa 80 % und in Hühnergülle 60 % des Gesamtphosphates
als wasserlösliches anorganisches Phoshat vor. Die
Düngewirkung dieses Phosphatanteils entspricht der
von mineralischem Düngephosphat.
Der Rest ist organisch gebundenes Phosphat. Dieser Anteil
muss im Boden erst von Mikroorganismen in eine pflanzenverfügbare
Form umgewandelt werden.
In seiner Wirksamkeit über mehrere Jahre hinweg kann
das Güllephosphat jedoch wie Mineraldüngerphosphat
bewertet werden.
3. Gülledüngung
zu Mais
Mais als guter Nährstoffverwerter
kann die in der Gülle enthaltenen Nährstoffe
nicht unbegrenzt verwerten. Bei einmaliger Gabe (i.d.R.
vor der Aussaat) betragen die maximal verwertbaren Mengen:
Rindergülle 60 m³/ha, Schweinegülle 40
m³/ha und Geflügelgülle 20 m³/ha.
Für den Silomaisanbau
gilt in MVP ein N-Sollwert von 160 bis 180 kg N/ha.
Die Wirksamkeit des Stickstoffs
in der Gülle ist vor allem von der N-Bindungsform,
der Bodenart und der Ausbringungstechnologie abhängig.
Weil die Ausnutzungsrate sehr schwankt, werden Richtwerte
für den pflanzenverfügbaren Stickstoff als Mineraldüngeräquivalente
(MDÄ) zur Berechnung der einzusetzenden Düngermengen
angesetzt.
| Beispiel zur Berechnung
der Stickstoffdüngung im Silomais: |
| N-Sollwert: |
0180
kg/ha N
|
| Nmin
Frühjahr: |
0040
kg/ha N
|
50 m³ Rindergülle:
(3,5 % N; MDÄ = 70 %) |
122,5 kg/ha N
|
| Unterfußdüngung DAP |
0018
kg/ha N
|
| Summe verfügbares N: |
180,5 kg/ha N
|
Unter Berücksichtigung
des Nmin-Gehaltes verbleibt eine zu düngende Menge
von ca. 140 kg/ha N. Diese wird im obigen Beispiel mit
der Gülle und der Unterfußdüngung abgedeckt.
Eine weitere mineralische N-Düngung ist deshalb in
diesem Fall nicht notwendig.
In unserer Region wird die
Gülle fast ausschließlich zur Saat ausgebracht.
Bei sofortiger Einarbeitung ist eine hohe Düngewirksamkeit
gewährleistet. Jedoch sollte die Gülle frühestens
14 Tage vor der Saat ausgebracht werden, um unnötige
N-Verluste zu vermeiden. Denn der Mais erreicht seinen
Hauptstickstoffbedarf erst Mitte bis Ende Juli (ca. 2
Wochen vor dem Fahnenschieben).
Auf leichten Standorten ist
wegen der höheren Auswaschungsgefahr der Zusatz von
Nitrifikationshemmern von Vorteil. Ebenso ist eine Gülleausbringung
in Maisbestände mit Wuchshöhen von 5 bis 15
cm auch vorrangig für leichtere Standorte effektiv,
um die Auswaschungsgefahr zu verringern. Eine Einarbeitung
zur Verringerung der Ammoniakverluste ist notwendig.
4. Gülledüngung
zu Winterraps
Herbst: Raps ist diejenige
Hauptfrucht, die auch im Herbst noch einen höheren
Düngerbedarf aufweist. Ein Teil der zu Raps vorgesehenen
Güllemenge kann deshalb bereits in den Herbstmonaten
gegeben werden: günstig nach Getreidevorfrucht zur
Strohdüngung zur Förderung der Strohrotte oder
direkt in den wachsenden Bestand.
Wenn der Gülleanteil an der Gesamt-N-Menge erheblich
ist, sollte man das auch bei der Sortenwahl berücksichtigen
und möglichst auf stark lageranfällige Sorten
wie Artus, Panther oder Mohican verzichten.
Frühjahr: Der
Raps weist bereits sehr früh in der Vegetationsperiode
seinen Haupt-N-Bedarf auf. Deshalb sollte die Gülledüngung
bei günstigen Witterungs- und Bodenbedingungen schon
Ausgangs des Winters erfolgen. Normalerweise verursacht
die Ausbringung bei leicht gefrorenen Böden keinen
Schaden. Allerdings sollte man nach längeren, trockenen
Frostperioden (wenn der Raps die Blätter schlapp
auf die Erde legt) vorsichtig sein.
Ist witterungsbedingt eine frühzeitige Gülleausbringung
nicht möglich, kann die Gülledüngung im
Raps noch bis zum Knospenstadium (in etwa Kniehöhe)
erfolgen.
Die anderen Nährstoffe sowohl aus der Herbst- als
auch aus der Frühjahrsbegüllung sind bei der
mineralischen Grunddüngung mit anzurechnen.
5. Gülledüngung
zu Getreide
Für die Gülledüngung
im Getreide sollte man auf jeden Fall standfeste Sorten
wählen, da die N-Freisetzung in Abhängigkeit
von der Witterung sehr ungleichmäßig erfolgt
und daher eher zu Lagergetreide führen kann als eine
ausgewogene mineralische Düngung. Außerdem
ist es vorteilhaft, schon bei der Aussaat auf eine Bestandesdichte
zu orientieren, die im unteren Normalbereich liegt (d.
h. z. B. beim Winterweizen 500 bis 600 Ähren/m²
nicht zu überschreiten). Auch der Wachstumsreglereinsatz
sollte an die gesamte Bestandesführung angepasst
werden.
Da der Güllestickstoff
langsamer wirkt als mineralischer N, kann die (oder die
erste) Güllegabe bei günstigen Witterungsbedingungen
bereits kurz vor Vegetationsbeginn gegeben werden. Entsprechend
der Bestandesentwicklung sollte mineralisch auf die volle
erste N-Gabe aufgedüngt werden. Hier ist der Einsatz
eines schwefelhaltigen Stickstoffdüngers sinnvoll,
da Gülle nur wenig Schwefel enthält (max. 0,5
kg S/m³).
Günstig ist ein Anteil
von maximal 50 % Gülle-N am Gesamt-Stickstoff-Bedarf
der Pflanze. Der Rest sollte mit mineralischen Stickstoffdüngern
ergänzt werden. Die Höhe der einzelnen Güllegaben
muss an die Bestandesentwicklung und den Bedarf der Pflanzen
angepasst werden.
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