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Hinweise zur Gülledüngung
Wirksamkeit der Gülle-Nährstoffe
Gülledüngung zu Mais
Gülledüngung zu Winterraps
Gülledüngung zu Getreide

Effektiver Gülleeinsatz im Ackerbau

Gülle ist ein wertvoller Mehrnährstoffdünger, der bei ordnungsgemäßer Anwendung Mineraldünger ersetzt und Düngerkosten spart!

 

Mittlere Nährstoffgehalte bei verschiedenen Güllen in kg/m³ *
Gülleart
TS %
N ges.
NH4-N
P2O5
K2O
MgO
CaO
Milchvieh
7,5
4,0
2,0
1,5
6,0
0,8
2,0
Mastbullen
7,5
4,5
2,3
1,5
3,5
0,8
1,0
Schweine
7,5
6,0
4,2
3,0
3,0
1,0
3,0
Geflügel
7,5
4,9
3,5
3,8
2,3
0,8
8,3

* Der Nährstoffgehalt der Gülle kann je nach Tierart und TS-Gehalt erheblich schwanken. Für eine exakte Bemessung der Düngergaben ist daher eine Nährstoffuntersuchung unerlässlich.

1. Hinweise zur Gülledüngung:

  • Ausbringungsverbot jährlich vom 15. 11. bis 15. 01.
  • ebenfalls keine Ausbringung, wenn der Boden tiefgefroren, wassergesättigt oder stark schneebedeckt ist
  • Nährstoffuntersuchung zur exakten Nährstoffbemessung durchführen lassen
  • vor der Ausbringung gut homogenisieren
  • oberflächennahe Ausbringung, auf gleichmäßige Längs- und Querverteilung achten
  • besonders auf druckempfindlichen Böden Traktoren und Gülletankwagen mit breiten Reifen, reduziertem Reifeninnendruck und begrenzter Radlast verwenden
  • wenn möglich, sofort einarbeiten, etwa 50 % des N-Gehaltes gehen bei warmer Witterung am ersten halben Tag nach der Ausbringung verloren!
  • flach einarbeiten, nicht mit dem Pflug tief vergraben

2. Wirksamkeit der Gülle-Nährstoffe

2.1 Wirksamkeit des Güllestickstoffs

Je nach Tierart liegen 50 bis 70 % des Gesamtstickstoffs in der Gülle als Ammoniumstickstoff vor. Der Ammoniumstickstoff wird entweder direkt von der Pflanze aufgenommen oder (in Abhängigkeit von Bodentemperatur und -feuchtigkeit) durch Bodenmikroorganismen innerhalb von 2 - 3 Wochen in Nitrat (NO3) umgewandelt. Das Nitrat liegt damit in der gleichen N-Form vor wie die meisten N-Mineraldünger und kann ebenfalls direkt von den Pflanzen aufgenommen werden. Bei geringer oder fehlender Aufnahme durch die Pflanzen besteht die Gefahr der Auswaschung. Außerdem kann der Nitratstickstoff unter Luftabschluss von Mikroorganismen in gasförmige N-Verbindungen umgewandelt werden, die dann aus dem Boden entweichen (Denitrifikation). Da der Ammonium-Stickstoff leicht flüchtig ist, können bei der Ausbringung ebenfalls Verluste entstehen.

Organisch gebundener Güllestickstoff besteht zum größten Teil aus schwer abbaubaren chemischen Verbindungen und unterliegt einer jährlichen Mineralisationsrate von 1 - 3 %. Deshalb kann dieser N-Anteil für die kurzfristige Nährstoffwirkung kaum berücksichtigt werden. Über längere Zeit wirkt sich diese Fraktion des Güllestickstoffs positiv auf die Bodenfruchtbarkeit aus und kann langfristig bei intensiver Gülledüngung zu einer N-Anreicherung im Ackerboden führen.

Die Ausnutzung des Güllestickstoffs im Anwendungsjahr schwankt zwischen 10 und 60 % des Gesamt-Gülle-N. Mittel- bis langfristig betrachtet kann bei guter Produktionstechnik mit einer N-Ausnutzung von 75 % des Gesamt-N gerechnet werden.

Ausnutzung des Stickstoffanteils (% aus Gesamt-N) im Anwendungsjahr in Abhängigkeit von Ausbringungszeit und Fruchtart bei mittleren bis guten Böden.

Monat Raps Winter-
getreide
Sommer-
getreide
Mais
Rüben
Kartoffeln
Weidel-
gras
Zwischen-früchte
Juli 30 % 10 % 10 % 10 % 50 % 50 %
Aug. 30 % 10 % 10 % 10 % 40 % 50 %
Sept. -- 20 % 20 % 20 % 30 % 40 %
Okt. -- 20 % 20 % 20 % -- --
Nov. -- (20 %) (30 %) (20 %) -- --
Dez. -- (30 %) (30 %) (30 %) -- --
Jan. -- (30 %) (40 %) (30 %) -- --
Febr. -- 40 % 50 % 40 % -- --
März 50 % 50 % 50 % 50 % 40 % --
April 50 % 50 % 50 % 60 % 60 % --
Mai -- 50 % 50 % 60 % 60 % --
Juli -- -- -- -- 50 % 50 %

( ) = Ausbringung nicht empfehlenswert bzw. durch Düngeverordnung verboten

[Abgewandelt nach AID 1149, 1991]

2.2. Wirksamkeit des Güllekaliums

Güllekalium ist zu 80 bis 90 % wasserlöslich. Es erreicht damit in etwa die gleiche Pflanzenverfügbarkeit wie mineralischer Handelsdüngerkali.
Bei hohen Niederschlägen muss auf leichten Böden bei Ausbringung im Sommer und Herbst wie auch bei mineralischem Kalidünger mit Auswaschungsverlusten gerechnet werden.

2.3. Wirksamkeit des Güllephosphats

In Rinder- und Schweinegülle liegen etwa 80 % und in Hühnergülle 60 % des Gesamtphosphates als wasserlösliches anorganisches Phoshat vor. Die Düngewirkung dieses Phosphatanteils entspricht der von mineralischem Düngephosphat.
Der Rest ist organisch gebundenes Phosphat. Dieser Anteil muss im Boden erst von Mikroorganismen in eine pflanzenverfügbare Form umgewandelt werden.
In seiner Wirksamkeit über mehrere Jahre hinweg kann das Güllephosphat jedoch wie Mineraldüngerphosphat bewertet werden.

3. Gülledüngung zu Mais

Mais als guter Nährstoffverwerter kann die in der Gülle enthaltenen Nährstoffe nicht unbegrenzt verwerten. Bei einmaliger Gabe (i.d.R. vor der Aussaat) betragen die maximal verwertbaren Mengen: Rindergülle 60 m³/ha, Schweinegülle 40 m³/ha und Geflügelgülle 20 m³/ha.

Für den Silomaisanbau gilt in MVP ein N-Sollwert von 160 bis 180 kg N/ha.

Die Wirksamkeit des Stickstoffs in der Gülle ist vor allem von der N-Bindungsform, der Bodenart und der Ausbringungstechnologie abhängig. Weil die Ausnutzungsrate sehr schwankt, werden Richtwerte für den pflanzenverfügbaren Stickstoff als Mineraldüngeräquivalente (MDÄ) zur Berechnung der einzusetzenden Düngermengen angesetzt.

Beispiel zur Berechnung der Stickstoffdüngung im Silomais:
N-Sollwert:
0180 kg/ha N
Nmin Frühjahr:
0040 kg/ha N
50 m³ Rindergülle:
(3,5 % N; MDÄ = 70 %)
122,5 kg/ha N
Unterfußdüngung DAP
0018 kg/ha N
Summe verfügbares N:
180,5 kg/ha N

Unter Berücksichtigung des Nmin-Gehaltes verbleibt eine zu düngende Menge von ca. 140 kg/ha N. Diese wird im obigen Beispiel mit der Gülle und der Unterfußdüngung abgedeckt. Eine weitere mineralische N-Düngung ist deshalb in diesem Fall nicht notwendig.

In unserer Region wird die Gülle fast ausschließlich zur Saat ausgebracht. Bei sofortiger Einarbeitung ist eine hohe Düngewirksamkeit gewährleistet. Jedoch sollte die Gülle frühestens 14 Tage vor der Saat ausgebracht werden, um unnötige N-Verluste zu vermeiden. Denn der Mais erreicht seinen Hauptstickstoffbedarf erst Mitte bis Ende Juli (ca. 2 Wochen vor dem Fahnenschieben).

Auf leichten Standorten ist wegen der höheren Auswaschungsgefahr der Zusatz von Nitrifikationshemmern von Vorteil. Ebenso ist eine Gülleausbringung in Maisbestände mit Wuchshöhen von 5 bis 15 cm auch vorrangig für leichtere Standorte effektiv, um die Auswaschungsgefahr zu verringern. Eine Einarbeitung zur Verringerung der Ammoniakverluste ist notwendig.

 

4. Gülledüngung zu Winterraps

Herbst: Raps ist diejenige Hauptfrucht, die auch im Herbst noch einen höheren Düngerbedarf aufweist. Ein Teil der zu Raps vorgesehenen Güllemenge kann deshalb bereits in den Herbstmonaten gegeben werden: günstig nach Getreidevorfrucht zur Strohdüngung zur Förderung der Strohrotte oder direkt in den wachsenden Bestand.
Wenn der Gülleanteil an der Gesamt-N-Menge erheblich ist, sollte man das auch bei der Sortenwahl berücksichtigen und möglichst auf stark lageranfällige Sorten wie Artus, Panther oder Mohican verzichten.

Frühjahr: Der Raps weist bereits sehr früh in der Vegetationsperiode seinen Haupt-N-Bedarf auf. Deshalb sollte die Gülledüngung bei günstigen Witterungs- und Bodenbedingungen schon Ausgangs des Winters erfolgen. Normalerweise verursacht die Ausbringung bei leicht gefrorenen Böden keinen Schaden. Allerdings sollte man nach längeren, trockenen Frostperioden (wenn der Raps die Blätter schlapp auf die Erde legt) vorsichtig sein.
Ist witterungsbedingt eine frühzeitige Gülleausbringung nicht möglich, kann die Gülledüngung im Raps noch bis zum Knospenstadium (in etwa Kniehöhe) erfolgen.
Die anderen Nährstoffe sowohl aus der Herbst- als auch aus der Frühjahrsbegüllung sind bei der mineralischen Grunddüngung mit anzurechnen.

 

5. Gülledüngung zu Getreide

Für die Gülledüngung im Getreide sollte man auf jeden Fall standfeste Sorten wählen, da die N-Freisetzung in Abhängigkeit von der Witterung sehr ungleichmäßig erfolgt und daher eher zu Lagergetreide führen kann als eine ausgewogene mineralische Düngung. Außerdem ist es vorteilhaft, schon bei der Aussaat auf eine Bestandesdichte zu orientieren, die im unteren Normalbereich liegt (d. h. z. B. beim Winterweizen 500 bis 600 Ähren/m² nicht zu überschreiten). Auch der Wachstumsreglereinsatz sollte an die gesamte Bestandesführung angepasst werden.

Da der Güllestickstoff langsamer wirkt als mineralischer N, kann die (oder die erste) Güllegabe bei günstigen Witterungsbedingungen bereits kurz vor Vegetationsbeginn gegeben werden. Entsprechend der Bestandesentwicklung sollte mineralisch auf die volle erste N-Gabe aufgedüngt werden. Hier ist der Einsatz eines schwefelhaltigen Stickstoffdüngers sinnvoll, da Gülle nur wenig Schwefel enthält (max. 0,5 kg S/m³).

Günstig ist ein Anteil von maximal 50 % Gülle-N am Gesamt-Stickstoff-Bedarf der Pflanze. Der Rest sollte mit mineralischen Stickstoffdüngern ergänzt werden. Die Höhe der einzelnen Güllegaben muss an die Bestandesentwicklung und den Bedarf der Pflanzen angepasst werden.

 

 

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© Astrid Oldenburg 2000 - eMail: astro-@t-online.de - http://www.pflanzenbauberatung.de - Last update: 16. 01. 2003