Pflanzenbau Regional für Nordwestmecklenburg
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So wenig Winter war noch nie!

Die folgende Darstellung zeigt die Durchschnittstemperaturen der Wintermonate November, Dezember, Januar und Februar von Januar 1980 bis Dezember 2004 in Schwerin (Datenquelle: DWD, Wetterstation Schwerin).

Die Wetteraufzeichnungen der Wetterstation Schwerin des DWD erfolgen seit 1890 (mit kurzen Unterbrechungen während der Zeit des 2. Weltkrieges), so dass sich aufgrunddessen Klimatendenzen schon gut erkennen lassen.

Deutlich wird Folgendes:

  • Seit 1988 zeigt sich eine deutliche Zunahme der milden Wintermonate mit Durchschnittstemperaturen von über 0 °C und folglich auch eine Abnahme der kalten Perioden.
  • Auch die tiefen Wintertemperaturen, die seit den 30er Jahren dieses Jahrhunderts relativ häufig waren, wurden seit Ende der 80er nicht mehr erreicht. Selbst der für uns harte Winter 95/96 war gegen Winter in früheren Jahren nur ein mildes Lüftchen.
  • Die Abstände zwischen zwei kalten Winter werden immer größer.

Was heißt das für uns?

  • Zunächst einmal bedeutet es natürlich nicht, dass wir nun gar keine Winter mehr haben werden. Es werden, wenn auch in immer größeren Abständen, immer mal wieder sehr kalte Wetterperioden aus dem Osten zu uns herüberwehen. Aber sie werden seltener, und der Faktor "Auswinterung" wird künftig an Bedeutung verlieren.
  • In immer mehr Wintern wird auch während der Monate November bis Februar das Wachstum auf den Feldern kaum unterbrochen werden. Die Entwicklung der Winterkulturen wird, wenn auch sehr langsam, während der Wintermonate voranschreiten. Das muss bei der Nährstoffversorgung berücksichtigt werden. Die Kulturen dürfen auch im Winter nicht hungern - aber bitte auch keine Überversorgung z.B. mit Stickstoff (Verringerung der Winterhärte, Auswaschungsgefahr!!!) - Hier muss im Herbst mit viel Fingerspitzengefühl herangegangen werden.
  • Zahlreiche Pflanzenkrankheiten und -schädlinge werden stark zunehmen. In milden, feuchten Wintern überleben viel mehr Schädlinge und ihre Ei- und Larvenstadien (z.B. Rapsglanzkäfer, Rapsstängelrüssler, Kohlfliege u.a. Rapsschädlinge). Bestimmte Bakterien und Pilze können sich während des ganzen Winters vermehren und verbreiten (z.B. Septoria tritici, Kohlhernie, Phoma usw.). Schädlinge aus wärmeren Regionen wandern bei uns ein (z.B. Kastanienminiermotte, Maiszünsler, Maiswurzelbohrer usw.).
  • Aufgrund des starken Krankheits-und Schädlingsdruckes und unserer engen "Fruchtfolgen" wird es zur verstärkten Bildung von Resistenzen kommen. Einen Vorgeschmack davon haben wir ja gerade bekommen (Septoria tritici - Resistenz gegen Strobilurine und verminderte Wirksamkeit gegenüber Azolen, Resistenz des Rapsglanzkäfers gegen Pyrethroide)..... Und es werden noch viele folgen. Hier wird auch die Chemie manchmal nicht mehr helfen können.
  • Es gibt natürlich auch einen großen Vorteil: Längere Vegetationszeit kann auch mehr Ertrag bedeuten, wenn.... ja, wenn wir Krankheiten und Schädlinge im Griff haben. Und das wird auf Dauer nur über ein breiteres Kulturartenspektrum in weiter gestellten Fruchtfolgen möglich sein.

 

 

 



 

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© Astrid Oldenburg 2000 - eMail: astro-@t-online.de - http://www.pflanzenbauberatung.de - Last update: 31. 01. 2005